Psycho-Review: The Cave

„The Cave“ gehört zu den Spielen, die mir auf Steam irgendwie in die Hände gefallen sind – wahrscheinlich in einem Sale. Interessiert hat mich die Symbolik, in die Tiefe hinabzusteigen. Wie sich herausstellt, steigt auch jeder Charakter in seine eigenen seelischen Tiefen hinab. Ein Spiel, das von menschlichen Sehnsüchten und dunklen Geheimnissen erzählt… Also genau das Richtige zum Reviewen auf diesem Blog!

Kurzinfos zum Spiel

Bei „The Cave“ handelt es sich um ein Action-Adventure, das mit Jump’n’Run-Elementen kombiniert wird. Wir steuern jeweils drei von sieben zu Beginn auswählbaren Figuren durch eine 2D-Welt; jede der Figuren ist dabei auf der Suche nach dem einen „Objekt der Begierde“. Jeder Charakter hat eine spezielle Fähigkeit, die zum Lösen der nicht immer ganz leichten Rätsel verwendet werden kann, außerdem gehört zu jeder Figur ein Bereich, den man nur mit ihr betreten kann – ein mehrmaliges Durchspielen ist daher durchaus lohnenswert. Das ganze Spiel findet in „The Cave“ statt, einer sprechenden Höhle mit tiefschwarzem Humor, die behauptet, in sie würden die Menschen auf der Suche nach ihrem tiefsten Begehren steigen. So begleiten wir auch unsere drei ausgewählten „Helden“ durch die Höhle und lernen ihre dunklen Seiten kennen, die sie nutzen, um ihre Ziele zu erreichen. Morde kommen dabei durchaus häufig vor…

Studio & Publisher: Double Fine Productions
Erscheinungsjahr: 2013

Der Psycho-Blick

Höhlen werden nicht nur in Sagen zu mystischen Orten; seit jeher geht von ihnen das Rätselhafte aus – führen sie uns doch in das unbekannte Innere der Erde, oft weit hinab in die Tiefe. So auch hier im Spiel: wir lassen uns in die Tiefen des menschlichen Geistes hinab, genauer gesagt in die Tiefen der drei Protagonisten, mit denen wir losziehen. Dabei lernen wir sowohl ihre tiefste Sehnsucht (wahre Liebe, Ruhm, Macht, Unabhängigkeit, …) als auch ihre dunklen, mörderischen Anteile kennen. Die Geschichten der einzelnen Figuren bleiben allerdings relativ an der Oberfläche; ein paar Höhlenmalereien, die wir im Verlauf des Abenteuers entdecken, erzählen in wenigen Sätzen einige Eckpunkte aus dem Leben unserer Protagonisten. Eine richtige Psychodynamik lässt sich daraus allerdings in den wenigsten Fällen ableiten. Umgekehrt bieten die Figuren dadurch eventuell mehr Möglichkeit zur Identifikation, da man die knappen Eckpunkte mit eigenen biografischen Inhalten anreichern kann.



Die Helden werden bei der Auswahl von ihrer besten Seite gezeigt, allerdings direkt mit einem bissigen Kommentar der Höhle, der vermuten lässt, dass der Schein trügt. Nach C.G. Jung gesprochen könnte man darüber nachdenken, ob uns hier die Persona, also der Teil unserer Persönlichkeit, den wir im Alltag nach Außen präsentieren, gezeigt wird. Es scheint, als ob der Abstieg in die Tiefe der Höhle, ins Unbewusste, gleichsam gewalttätige und destruktive Anteile aus dem sogenannten Schatten, dem „Sammelbecken“ derjenigen Persönlichkeitsanteile, die wir nicht im Bewusstsein haben und die wir nicht leben, zum Vorschein bringt. Nun muss es sich dabei nicht gleich – wie im Spiel dargestellt – um mörderische Anteile handeln, aber die werden uns nunmal hier präsentiert.

Das Spiel schafft es trotz seiner knappen Charakterdarstellung dennoch, dass die Beweggründe (zumindest meistens) nachvollziehbar erscheinen, auch wenn sie in der Realität natürlich keine Morde rechtfertigen würden. Das Spielen mit den eigenen bewussten und vielleicht auch unbewussten Sehnsüchten hat dabei durchaus seinen Reiz.


[Spoiler]: Beim Verlassen der Höhle gibt es die Möglichkeit, das „Objekt der Begierde“ wieder zurück zu geben und dadurch ein „gutes Ende“ freizuschalten, bei dem die im Spiel verübten Morde nicht stattfinden. Die Idee gefällt mir an sich gut, da dadurch deutlich wird, dass wir durch das Begehen der eigenen inneren Tiefen auch positive Wandlung vollziehen und in unserem Unbewussten viele konstruktive und positive Anteile schlummern. Allerdings gibt es auch zu den positiven Enden jeweils nur zwei Bilder mit jeweils einem Satz, wodurch manche Wendungen reichlich konstruiert, unrealistisch und dadurch auch unbefriedigend wirken (insbesondere die der Zwillinge).

Nachdem unsere „Helden“ ihr Abenteuer bestritten haben, gibt uns die Höhle noch ein paar salbungsvolle Worte mit auf den Rückweg, die uns nochmals über unsere innere Motivation, über Sehnsucht und Dunkelheiten, nachdenken lässt.

Fazit

Wer „The Cave“ spielt, wird in erster Linie mit den Rätseln und dem schwarzen Humor beschäftigt sein, mit denen das Spiel durchaus zu überzeugen weiß. Dennoch konfrontiert uns das Spiel auf einer anderen Ebene mit unseren menschlichen Sehnsüchten und auch den Abgründen unserer Seele. In meinem Empfinden gelingt das durchaus gut, auch wenn sicher noch mehr Tiefe möglich gewesen wäre. Andererseits ermöglichen uns die etwas blass bleibenden Charaktere somit eine bessere Identifikationsebene.
Schade finde ich, dass das Spiel die Höhle (und damit in meiner Deutung das Unbewusste) als einen Ort darstellt, an dem nur dunkle und destruktive Seelenanteile sichtbar werden – bis auf die eine Ausnahme, die ich im mit „Spoiler“ markierten Abschnitt beschrieben habe.
Man kann „The Cave“ auch spielen, ohne auch nur einen Gedanken an sich selbst zu verschwenden, aber wer sich wirklich auf die Thematik einlässt, kann durchaus selbst etwas aus der Höhle mitnehmen…

Mitreden? Gerne!
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Titelbild und Galerie-Bilder: Screenshots aus „The Cave“, Double Fine Productions. Veröffentlichungsgenehmigung hier

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